Wirtschaftskrisen, also Absatzstockung und Arbeitslosigkeit mit ihren Begleiterscheinungen, sind nur bei weichenden Preisen denkbar.

Die Preise können aus drei Gründen zurückgehen:

  1. weil die eigentümlichen Produktionsverhältnisse des Goldes eine willkürliche Anpassung des Geldangebots (Nachfrage) an die Warenerzeugung (Angebot) nicht erlauben;
  2. weil bei steigender Warenerzeugung (blühender Volkswirtschaft) und damit Hand in Hand gehender Vermehrung der sog. Realkapitalien der Zins für diese zurückgeht, weil dann kein Geld mehr für die Bildung neuer Realkapitalien sich anbietet und der Absatz der hierfür bestimmten Waren (ein ganz bedeutender Teil der Warenerzeugung, zumal bei zunehmender Volkszahl) stockt;

  3. weil bei vermehrter Warenerzeugung und wachsendem Wohlstand das Geld (Nachfrage) von den Goldschmieden eingeschmolzen wird, und zwar im Verhältnis zum wachsenden Warenangebot. (1)

Diese drei Ursachen des Rückganges der Warenpreise genügen jede allein für sich, um eine Krise hervorzurufen, und ihre Natur ist so, daß, wenn auch die eine etwa infolge genügender Goldfunde ausfällt, die anderen dafür in die Lücke springen. Einer der drei Ursachen der Krise verfällt die Volkswirtschaft immer und gesetzmäßig.

Nur in dem Fall, daß man anhaltend solche außergewöhnlichen Goldmassen findet, und zwar so viel, dsß die Preise trotz vermehrten Goldverbrauchs der Industrie anhaltend und stark (mindestens um 5 % jährlich) steigen, kann sich die Volkswirtschaft ohne Krise abwickeln. Auch der Widerstand, den der Rückgang des Realkapitalzinses dem Geldumlauf bietet, würde durch solche allgemeine Preissteigerung gebrochen - indem die Preissteigerung das Geld geradezu zum Umlauf zwingt. Aber eine solche allgemeine Preissteigerung wäre an sich ein Zusammenbruch der Währung.

Wie könnten nun die Wirtschaftsstockungen verhütet werden? In der Erklärung ihrer Ursache ist auch schon die Bedingung angegeben, die für die Verhütung der Wirtschaftsstockungen erfüllt werden muß, und diese lautet: Die Preise dürfen niemals und unter keinen Umständen fallen!

Das ist die Bedingung, die erfüllt werden muß. Und wie kann man das erreichen?

Wir erreichen das:

  1. indem wir das Geld vom Gold trennen und die Geldherstellung nach den Bedürfnissen des Marktes richten;

  2. indem wir das aus Papier verfertigte Geld so gestalten, daß dieses unter allen Umständen gegen Waren angeboten wird, und zwar selbst dann noch angeboten wird, wenn der Kapitalzins, der Zins des Geldes sowohl, wie der Zins der Sachgüter (Realkapitalien), fällt und verschwindet.

Wie das erreicht werden kann, wird im IV. Teil dieser Schrift gezeigt werden.


(1) Es wird berichtet, daß die Chinesen aus Silber Figuren bilden, die als Hausgötter oder Schutzgeister viel begehrt sind. Das Silber ist aber das allgemeine Tauschmittel der Chinesen. Man kann sich nun leicht folgendes als wahrschenlichen gewöhnlichen Vorgang vorstellen: Das Silber strömt aus irgendeinem Grunde reichlicher als sonst in China ein und belebt dort Handel und Industrie (Hochkonjunktur). Der Kaufmann macht gute Geschäfte, und aus Dankbarkeit zn seinem silbernen Schutzgeist macht er diesen größer und schwerer, d. h., das bei ihm für Ware eingehende Silber - die Ursache des flotten Geschäftsganges wird eingeschmolzen nnd verschwindet auf Nimmerwiedersehen in der Hauskapelle. Wenn aber umgekehrt aus Mangel an Silber die Preise fallen (Krise) und die Geschäfte des Chi· nesen schlecht gehen, so denkt der Chinese, daß sein Schutzgeist ob seiner Kleinheit ohnmächtig ist - und dann scharrt er das wenige bei ihm eingehende Silber zusammen, um damit die Macht seines Hausgottes zu mehren. - Wenn es keine anderen Gründe gibt für den auffälligen jahrtausendelangen Stillstand in der Entwicklung Chinas - dieser eine genügt vollkommen, um die Erscheinung zu erklären. Hat der Europäer Grund, über den Chinesen zu lachen ? Bei gutem Geschäftsgang kauft sich der Europäer eine goldene Kette, um damit zu protzen, bei schlechtem Geschäftsgang kauft er eine noch größere, um sich damit Vertrauen zu seiner Zahlfähigkeit zu erschwindeln. Beide - der Chinese wie der Europäer - sägen also, wenn auch aus verschiedenen Beweggründen, den Ast ab, auf dem sie sitzen.